Warum Montessoripädagogik

Fische schwimmen, Vögel fliegen,

Menschen lernen.

Grundsätzlich verspürt ein jeder Mensch Freude, wenn er etwas versteht, wenn er etwas neu gelernt hat. Deswegen lernen besonders Kinder begierig  – für sie gibt es so viel Neues –  und es macht ihnen Freude. Wenn das aufhört, ist etwas schief gelaufen, ob es ein Kind betrifft oder einen Erwachsenen. Das menschliche Wesen lernt das ganze Leben lang weiter und erweitert seine Fähigkeiten – das gehört zu seiner Natur. Um diese Freude am Lernen zu entwickeln und zu erhalten, machen wir Montessori Pädagogik

Am besten geht Lernen, wenn ein Kind sich selbst für etwas interessiert und es ermuntert wird, eigene Fragen zu stellen. Dabei ist es egal, ob es um die Sprachen, das Rechnen, um körperliche Geschicklichkeit oder um naturwissenschaftliche Themen geht.

Wer beobachtet, wie ein Kind z. B. seine Muttersprache lernt, muss einfach staunen, wie schnell und scheinbar mühelos das geht, und wie dringend das Interesse des Kindes ist. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass es besondere Zeitabschnitte in der persönlichen Entwicklung gibt:  Sensible Phasen werden diese Zeiten von Maria Montessori bezeichnet. Sie sind wie Tore, die aufgehen, in denen Fähigkeiten besonders leicht entwickelt und neues Wissen besonders leicht aufgenommen wird. Das Kind entwickelt in sich eine Bereitschaft für bestimmte neue Impulse, und es nimmt sie dann auf, spielt und arbeitet damit und macht sie sich zu eigen. Kluge Pädagogik geht auf diese Phasen ein, und erlaubt dem Kind, beim Lernen von dem auszugehen, auf was sich seine Aufmerksamkeit gerade natürlicherweise richtet. Hier ist die Freiarbeit wichtig.

Wenn auf irgendeine Weise ein Interesse besteht, also eine persönliche Absicht, dieses Neue zu erfahren und es sich zu eigen zu machen, dann ist Lernen leicht. Interesse zu wecken ist damit eine der großen Aufgaben einer Schule. Die Montessorischule kann dafür einen Rahmen, die sogenannte vorbereitete Umgebung anbieten, der der persönlichen Entwicklung eines jeden einzelnen Kindes entsprechend gestaltet ist und in dem auf die persönlichen Neigungen, Stärken und Schwächen eingegangen werden kann.

Freude bei der Arbeit zu haben schließt durchaus ein, dass auch Leistung verlangt wird. Die Montessoripädagogik schaut aber genau darauf hin, was Leistung für ein bestimmtes Kind heißt. Nicht der Vergleich mit dem Durchschnitt steht dabei im Vordergrund, sondern die Erfüllung dessen, was dieses bestimmte Kind leisten kann. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Kinder eine gesunde Selbsteinschätzung entwickeln.  Sie wird  z. B. dadurch geübt, dass das Montessori-Lernmaterial immer auch die Möglichkeit bietet, die Ergebnisse selbst zu überprüfen. Auch die Fragen des Erwachsenen helfen: Hast du das so gut gemacht, wie du es konntest? Was geht besser? Wie gehst du mit diesem Thema weiter? Diese Einstellung kommt auch in der Art unserer Rückmeldung an das Kind zum Ausdruck, die nicht in abstrakten Ziffern (1-6) besteht, sondern in klaren Aussagen, wie sich bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse entwickelt haben.

Die neuere Forschung zum Lernen und zur Funktionsweise des menschlichen Gehirns hat inzwischen in vielfältiger Weise bestätigt, was Maria Montessori durch die Beobachtung von lernenden Kindern herausgefunden hat: Wirklich lernen, d.h. Neues ganz verarbeiten und verstehen, können wir Menschen nur in einem weitgehend entspannten Zustand: ohne Angst, in grundsätzlich positiven menschlichen Beziehungen, die ein jedes Kind mit seiner Individualität annehmen. Das ist es, was die Montessoripädagogik in ihren Einrichtungen den Kindern anbieten will.
Kindern so kann die Freude am Lernen erhalten bleiben, von der sie ein Leben lang profitieren werden. In dieser sich rasend schnell verändernden Welt werden sie viel Anlass haben, ein Leben lang zu lernen, und darunter wird ganz viel Neues sein, von denen sie (und wir alle) in der Schule nie gehört haben. Wie gut, wenn sie gelernt haben, zu lernen und mit Selbstvertrauen diesen Herausforderungen begegnen können! Das gilt für alle, ganz egal, welchen der Schulabschlüsse sie bei uns erworben haben.

Zu erfahren und zu wissen, ich kann lernen, ich kann verstehen ist ein wesentlicher Teil des gesunden Selbstbewusstseins, mit dem viele unserer Kinder die Schule verlassen.

Deswegen machen wir Montessoripädagogik.

Ziele der Montessori-Pädagogik

Maria Montessori hat sich für eine ganzheitliche Förderung des Kindes eingesetzt, durch die die kindliche Persönlichkeit sich gesund entwickeln kann. Eine wichtige Grundlage stellt dabei die Einheit von Geist, Körper und Seele dar, die sich in ihrer Entwicklung wechselseitig beeinflussen.

Einer der wohl bedeutendsten Aspekte der Montessori-Pädagogik ist das an individuelle Fähigkeiten und Interessen angepasste Lernen:Die Schule muss so aufgebaut sein (…), dass jedes Individuum seine bestmögliche Vervollkommnung erreichen kann“ (Montessori 2002b, 122). Für die Montessorischule stellt die Förderung der Individualität eine Grundvoraussetzung der menschlichen Entwicklung dar. Im Zuge dessen betont sie insbesondere die Erziehung zur Selbstständigkeit. Dies kommt in dem Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ zum Ausdruck.

Neben der Förderung der Individualität nimmt die Förderung der Sozialität einen bedeutenden Stellenwert in der Montessori-Pädagogik ein.

Sensible Phasen

Maria Montessori stellte bei ihrer Arbeit mit Kindern fest, dass es in der kindlichen Entwicklung Phasen gibt, in denen das Kind eine besondere Empfänglichkeit, eine besondere Bereitschaft für den Erwerb bestimmter Fähigkeiten hat. Diese sensiblen Phasen erkennt man daran, wenn man ein Kind gut beobachtet , dass es sich bestimmten Dingen und Thematiken mit Vorliebe zuwendet und diesbezüglich besonders leicht und mühelos arbeitet.

So gibt es etwa bestimmte Perioden für den Erwerb der Sprache, den Ordnungssinn, die Bewegung oder die Unterscheidung von Gut und Böse. In jeder vorangegangenen sensiblen Phase wird das Fundament für die darauffolgende gelegt.

Die sensiblen Phasen sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Heranwachsenden den Erwerb einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab. Aus diesen Erkenntnissen können wichtige erziehungsrelevante Konsequenzen abgeleitet werden:

  1. In Perioden erhöhter Lernbereitschaft werden durch das Angebot einer entsprechenden Anregungs-Umgebung bestimmte Fähigkeiten unbewußt leicht und spielerisch erworben.
  2. Versagt die Umwelt dem Kind jedoch die Möglichkeit, Erfahrungen im Sinne seiner sensiblen Periode machen zu können, so wird der Mensch diese Versäumnisse nur schwer nachholen können.

Maria Montessori

Maria Montessori wird am 31. August 1870 bei Ancona geboren. Früh zeigt Maria einen wachen Geist. Maria möchte Medizin studieren, wird jedoch an der Universität abgewiesen. Gegen den Willen der Eltern studiert sie zunächst Ingenieurwesen und Mathematik. 1896 hat Maria Montessori ihr Ziel erreicht und schliesst ihr Studium mit der medizinischen Promotion ab. Sie ist die erste „Dottoressa“ – Ärztin – Italiens.
 In den letzten beiden Jahren ihres Studiums arbeitet sie bereits als Assistentin an einer psychiatrischen Klinik. Im Umgang mit geistig behinderten, kleinen Patienten erkennt sie den Tätigkeitsdrang und Eigenantrieb, der allen Kindern zu Grunde liegt. Unter Einbringung dieser Sinnesmaterialien, in Kombination mit medizinischen Erkenntnissen, entwickelt sie eine pädagogische Methode, mit der sie in ihrer Arbeit als Direktorin eines heilpädagogischen Instituts in Rom beachtliche Erfolge erzielt. Ihre Zöglinge leisten oft bereits nach zwei Jahren genauso viel wie gesunde Kinder und können die Regelschule besuchen. 1904 wird sie zur Professorin für Anthropologie an der Universität Rom ernannt.

 Maria Montessori folgert aus ihren Erkenntnissen heraus, dass mit Hilfe ihrer Unterrichtsmethode alle Kinder ungleich besser gefördert werden könnten, als es bisher der Fall war. Durch die Beobachtung eines vierjährigen Mädchens, das eine Übung mit Einsatzzylindern über 40mal wiederholt, entdeckt sie das Phänomen der „Polarisation der Aufmerksamkeit“.

 1907 wird sie von der italienischen Regierung damit beauftragt, das erste Kinderhaus in einem Elendsviertel von Rom zu „beaufsichtigen“. Maria Montessori macht sich bei ihrer Arbeit die Erfahrung zunutze, die sie vorher mit behinderten Kindern gemacht hat und verwendet für ihre Arbeit mit den Kindern das Material, das sie aus der Experimentalpsychologie kennt und weiterentwickelt hat, angeregt durch Impulse, die von den Kindern ausgehen. Sehr schnell spricht sich in Rom das Kinderhausmodell herum, da die Kinder nicht geahnte Fortschritte machen mit Erfolgen, die den „unterprivilegierten“ Kindern vorher nicht zugetraut wurden.


 In ihrer pädagogischen Auffassung orientiert sich Maria Montessori an bestimmten Prinzipien, die für die damalige Zeit geradezu revulotionär waren. 1909 veröffentlicht sie ihr Hauptwerk „Il metodo“, das sich auf drei Eckpfeiler stützt. Einer davon wird ein von Maria Montessori selbst entwickelter Satz von Bau- und einfachen Spielelementen, die die Kinder zu selbstständigem Forscherdrang animieren sollen. Den zweiten Pfeiler bilden die eingeführten „Stillezeiten“ und gemeinsame Mahlzeiten der Zöglinge, die soziale Lernprozesse anregen und den Kindern vermitteln sollen, dass sie Teil einer großen Einheit sind. Dritter Grundsatz ist die eher beobachtende Distanz der Erzieher, die eine Störung des Lernprozesses durch den Einfluss der Erwachsenen verhindern soll.

 Von 1913 an reist sie in viele Länder der Erde. In Europa, Amerika und Indien hält sie Vorträge. Sie verfasst ihr Buch „Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter“, das die Verbreitung ihrer Erkenntnisse rasch voranbringt. Im gleichen Jahr hält sie den ersten internationalen Lehrgang in der Ausbildung von Lehrkräften in ihrer Methode. Diese setzt sich immer mehr durch und fast überall in Europa und Amerika entstehen Montessori-Schulen nach ihrem Vorbild. 1922 wird sie zum Regierungsinspektor der Schulen Italiens ernannt.

 Die Entwicklung der Montessori-Pädagogik wird immer wieder durch totalitäre Regime, wie in der Sowjetunion, Italien, Spanien und Deutschland gestoppt. In der Zeit des Nationalsozialismus werden in Deutschland alle Montessori-Einrichtungen geschlossen. Wegen Behinderungen durch den Faschismus in Italien verlegt Maria Montessori ihren Wohnsitz 1934 erst nach Barcelona, 1936 wegen des spanischen Bürgerkrieges in die Niederlande, später nach Indien. Dort leitet sie eine nach ihrer Methode eingerichtete Schule. 1940 wird sie nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen interniert. Nach ihrer Freilassung arbeitet sie dort und in den Nachbarländern an ihrem Lebenswerk weiter. 1947 kehrt Montessori nach Europa zurück. Dort stirbt sie im Mai 1952.

Freiarbeit

Die Freiarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Montessori Pädagogik und ist ein wesentlicher Teil des Arbeitsplans. Sie ist ein Kennzeichen dafür, dass ein Teil der Verantwortung für das Lernen in die Hände der Lernenden gelegt wird. Dabei wählt das Kind selbst die Art des Herangehens an einen Themenkomplex und das entsprechende Material (Freiheit des Interesses), allerdings im vom Pädagogen vorgegebenen Rahmen. Diese Arbeitsform erlaubt, Kinder nach ihren individuellen Bedürfnissen lernen zu lassen (Freiheit der Zeit) – allein oder in der Gruppe (Freiheit der Kooperation).

Den Begriff „Freiarbeit“ umschreibt auch allgemein den Freiraum der Arbeitssituation, den die Montessori Pädagogik den Schülern lässt. Dennoch werden ihnen Regeln gesetzt, das heißt klar formulierte Aufgabenstellungen, und es wird von ihnen erwartet, dass sie den Lösungsweg zu Ende führen. Frei ist das Kind jedoch in der Wahl der Herangehensweise. Der Lehrer zeigt lediglich auf, wie das von ihm ausgewählte Material zu verwenden ist. Ein weiteres Merkmal der Freiarbeit ist die Möglichkeit für die Schüler, Pausen einzulegen, so lange sie danach ihre Arbeit fortsetzen. Die Pädagogen wirken begleitend, unterstützend und ermutigend; sie geben Rat, wenn sie danach gefragt werden und leiten zu exakten Aussagen an. Auf diese Weise setzen sich auch jene Schüler, die scheinbar noch keine Lösung finden, weiter mit dem Thema auseinander. Individuelles Lernen beinhaltet die Wahl jener Methode, die am ehesten dem eigenen Lern- und Aufnahmevermögen entspricht.

Altersmischung

In der Montessori-Pädagogik ist die Zusammenfassung mehrerer Jahrgänge in einer Klasse ein grundlegendes Prinzip, das auch in der Montessori-Schule Eggenfelden umgesetzt wird. Die durch die Jahrgangsmischung ergebende Vielfalt wirkt sich in der Lerngruppe positiv auf die kognitive und soziale Entwicklung der Schüler aus.

Insbesondere sprechen folgende Gründe für eine Jahrgangsmischung:

Individuelle Lernfortschritte ermöglichen

Die Kinder arbeiten in einer vorbereiteten Umgebung mit Freiarbeitsmaterialien, so dass eine Differenzierung nach Lernvermögen, Lernfähigkeit, Motivationslage und Rhythmus möglich ist. Durch diese gewollte Individualisierung stellen sich in der jahrgangsgemischten Gruppe Unterschiede heraus, die Lernanregungen bieten und Kreativität, Lernmotivation und die Achtung vor dem Können des Anderen fördern.

Besonders begabte Kinder werden in ihrem Wissensdrang ermutigt, indem sie durch ältere Kinder und die im Klassenraum vorhandenen Materialien weitere Anregungen erhalten.

Lernverzögerte Kinder können entsprechend ihrem Lerntempo fortschreiten und bei Bedarf ein Jahr länger die Grundschule besuchen, ohne die Nachteile des „Sitzenbleibens“.

Soziales Lernen fördern

Individualisierung ist nur dann zu rechtfertigen, wenn jedes einzelne Kind auch das andere als Individuum mit eigenen Wünschen und Interessen achten lernt. Insofern ist Individualisierung nicht ohne Bezug zum Sozialen zu realisieren.

In der jahrgangsgemischten Klasse entsteht ein natürliches Helfersystem, das bei den Kindern gegenseitige Achtung und Interesse entstehen lässt. Alle Schülerinnen und Schüler kommen im Laufe ihrer Schulzeit in die Rolle der Helfenden und der Hilfesuchenden. Kinder können gut voneinander lernen, da ihre Denkweisen sich oft näher sind als die zwischen Lehrpersonal und Schülerinnen und Schüler.

Zudem ergibt sich auch für das erklärende Kind ein Lernzuwachs, denn auf diese Weise muss es sein Wissen nochmals genau durchdenken, strukturieren und sich sprachlich präzise ausdrücken. Auch die Jüngeren werden in ihrem Bestreben, den Älteren nachzueifern bestärkt und motiviert.

Vorbereitete Umgebung

Die vorbereitete Umgebung beschreibt eine Umgebung, welche auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten eines Kindes abgestimmt ist. Ziel ist die Befähigung des Kindes sich aus der Abhängigkeit des Erwachsenen zu lösen und aus eigenständigen Impulsen heraus tätig zu werden.

Das Kind hat hier die Möglichkeiten sich seinen Arbeitsplatz nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen einzurichten und lernt somit die selbstständige Gestaltung seines Umfeldes unter Rücksichtnahme auf die anderen Kinder. Dafür ist die Möblierung den Verhältnissen von Kindern angepasst. Materialien sind in begrenztem Umfang vorhanden, frei zugänglich und in Augenhöhe des Kindes positioniert. Dies fordert Abstimmungs- und Verteilungsprozesse unter den Kindern heraus. Um ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen, hat jedes Material seinen festen Platz im Klassenraum, an den es auch wieder zurückgebracht werden muss. Diese äußere Ordnung stellt laut Montessori eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der inneren Ordnung im Kind dar.

Die Aufgabe der Erwachsenen ist die Vorbereitung dieser Umgebung, sowie das Tragen der Verantwortung, während das Kind so wenig wie möglich eingeschränkt wird. Die Kinder selbst sind verantwortlich für den Erhalt ihres Lebens- und Arbeitsumfeldes. Es werden zum Beispiel zerbrechliche Gegenstände nicht außen vorgelassen, um dem Kind ein Gefühl für entsprechenden Umgang mit und Wertschätzung der Dinge zu vermitteln.

Wichtig bei dieser vorbereiteten Umgebung ist es einen Aufforderungscharakter zu erreichen, damit dem Kind die Fähigkeit vermittelt wird, sich in seiner Umgebung ohne die Anleitung durch Andere zu betätigen. Ein wichtiger Schritt in das Erwachsensein, der hier von der Montessoripädagogik angebahnt wird.

Integration/Inklusion

Inklusive Pädagogikist ein pädagogischer Ansatz, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung der Vielfalt in der Bildung und Erziehung ist. Der Begriff leitet sich ab vom lateinischen Verb includere: beinhalten, einschließen. Inklusion betrachtet Unterschiedlichkeit (Heterogenität) als normale, reguläre Gegebenheit. Sie stellt sich damit einer Tatsache, die Eltern für ihre eigenen Kinder sehr vertraut ist: ein jedes ist verschieden, und wie man sie auch sortiert, sie werden in bestimmten Hinsicht unterschiedlich bleiben – in Alter, Entwicklungsstand, Begabung, Interesse, Erfahrungen oder Herkunft.

In der 2006 beschlossenen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten ein inclusive education system (dt. inklusives Bildungssystem) zu errichten, in dem der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung der Regelfall ist. Hier sind also die Montessorischulen aus der inneren Einsicht ihrer Pädagogik in der Entwicklung vorangegangen.

Viele Bedürfnisse werden von der Mehrheit geteilt und bilden die gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsbedürfnisse. Alle Schüler haben nach dieser Auffassung darüber hinaus individuelle Bedürfnisse, darunter auch solche, für deren Befriedigung die Bereitstellung spezieller Mittel und Methoden notwendig bzw. sinnvoll sein kann. Es sollletztlich eine Schule für Alle entwickelt werden, aus der kein Kind mehr ausgeschlossen wird, weil es bestimmten festgelegten Anforderungen nicht entsprechen kann. Inklusion ist ein Ansatz, der über „Integration“ hinausgeht. Unsere Schule befindet sich auf dem Weg dorthin, ihn mit Leben zu füllen, und ist damit keineswegs schon am Ziel.

Zitate

Kinder mit besonderem Förderbedarf, die … mit Kindern ohne Förderbedarf lernen und leben, machen im Vergleich deutlich bessere Lern- und Entwicklungsfortschritte. Zudem profitieren auch die Kinder ohne Förderbedarf vom Gemeinsamen Unterricht, indem sie höhere soziale Kompetenzen entwickeln, während sich ihre fachbezogenen Schulleistungen nicht von den Leistungen der Schülerinnen und Schüler in anderen Klassen unterscheiden. …

– Klaus Klemm: Sonderweg Förderschulen

„Der originelle Beitrag der Integrationsprojekte in der Geschichte der Pädagogik ist, dass sie bewiesen haben, dass es möglich ist, alle SchülerInnen in der ganzen Bandbreite menschlicher Vielfalt von den Schwerstbehinderten bis hin zu den Hochbegabten gemeinsam zu unterrichten.“

Annedore Prengel: inklusion-online.net


„Im Einzelnen zeigte sich in den Studien zur Sekundarstufe I, dass die SchülerInnen an Integrationsklassen ein schülerzentriertes Schul- und Lernklima wahrnehmen und mit mehr Freude in die Schule gehen, ohne dass wesentliche Elemente der Qualität des Fachunterrichts dabei beeinträchtigt werden“.

– Specht, 1997, zit. nach Feyerer, 2009, S. 246